April 3, 2025

Markus Freitag: Vom Studi-Projekt zur Weltmarke — Die Entstehung, Vision und prägenden Werte der ikonischen FREITAG-Taschen.

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Markus Freitag: Vom Studi-Projekt zur Weltmarke — Die Entstehung, Vision und prägenden Werte der ikonischen FREITAG-Taschen.

Markus Freitag gründete 1993 gemeinsam mit seinem Bruder Daniel das Unternehmen FREITAG, das heute weltweit für seine ikonischen Taschen aus LKW-Planen bekannt ist.

Aus ihrer kleinen WG in Zürich heraus bauten die beiden Brüder eine globale Marke auf, die heute über 250 Mitarbeitende beschäftigt, mehr als 30 FREITAG Stores von Shanghai bis Zürich betreibt und ihre Produkte in über 25 Ländern verkauft.

Weil Markus im Herzen ein Tüftler und Designer geblieben ist, hat er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht. Vor einigen Jahren widmete er sich einem neuen Projekt und rief die Cargo-Velo-Marke FLINC Cycles ins Leben.

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KAPITEL

(00:00) Intro: Markus Freitag

(00:59) Gebrüder Freitag: Tüftlergeister seit der Kindheit

(10:29) Idee für FREITAG Taschen

(21:32) Entstehungsgeschichte von FREITAG

(28:51) Medienaufmerksamkeit und erste Verkäufe

(36:12) Erster FREITAG Store (Container Turm)

(42:14) Erste Standorte im Ausland

(47:25) FREITAG Manifesto Teil 1

(51:10) Kreislaufwirtschaft

(01:00:34) Business vs. Kreativität

(01:04:58) Flinc Cycles

(01:12:58) FREITAG Manifesto Teil 2

(01:20:27) Auf was bist du stolz?

(01:23:47) Organisation und persönliche Arbeitsweise

(01:29:05) FREITAG Community

 

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LINKS UND RESSOURCEN

- FREITAG Webseite -https://freitag.ch 

- FREITAG Manifesto -https://freitag.ch/de_CH/mission/about-freitag/manifesto 

- FREITAG Geschichte -https://freitag.ch/de_CH/media/about/freitag-history 

- FREITAG bei MOMA -https://www.moma.org/collection/works/88035 

- FLINC Cycles -https://flinccycles.com/de 

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Transcript

Sandro Meyer [00:00:08]:
Heute mit mir am Tisch sitzt Markus Freitag. Zusammen mit seinem Bruder Daniel hat er 1993 die Firma Freitag ins Leben gerufen. Ein Unternehmen, das heute weltbekannt ist für ihre ikonischen, aus Lkw-Planen hergestellten Taschen. Aus ihrer kleinen WG in Zürich haben die beiden Brüder eine globale Marke aufgebaut, die heute über 250 Mitarbeiter beschäftigt, mehr als 30 Freitagstores von Shanghai bis Zürich betreibt und in über 25 Ländern ihre Produkte verkauft. Und weil Markus ihm ein Tüftler und Designer ist, hat er sich nicht auf seine Lorbeeren ausgeübt, sondern sich vor ein paar Jahren nochmals ein neues Projekt geworgt und den Cargo-Velo-Brand Flink Cycles ins Leben gekauft. Willkommen, Markus. Schön, bist du da.

Markus Freitag [00:00:57]:
Danke für die Einladung.

Sandro Meyer [00:00:59]:
Wir steigen mit einem Zitat von dir aus einem Interview. Das Interview ist schon eine Weile her. Aber es geht die Kindheit der Mütter und dir. Mhm. Ich zitiere dich. Als wir Kinder waren, standen immer ein paar Dinge auf unserer Wunschliste für den Weihnachtsmann, die aus irgendeinem Grund nie ankamen. Also haben wir einfach zusammengearbeitet und mit unseren eigenen Materialien diese Dinge selbst gebaut. Zum Beispiel am Tag der Altmetallsammlung in unserer Gemeinde nahmen mein Bruder und ich unseren Leiterwagen und zogen durch die Strassen, kaputte Teile von Velos zu sammeln, die wir dann verwendeten, neue, funktionierende Fahrräder zu bauen. Jetzt, ihr seid ja nur etwa zwölf Monate auseinander, oder?

Markus Freitag [00:01:54]:
Ich glaube, 14.

Sandro Meyer [00:01:56]:
Das ist auch recht speziell. Das Basteln und Werken hat ja bei dir und deinem Bruder relativ früh angefangen. Wo habt ihr den Tüftlergeist her?

Markus Freitag [00:02:09]:
Puh, ja, gute Frage. Das ist eine gemeinsame Passion. Jeder auf seine Art ein Bastler. Ich glaube definitiv mit den Händen und den Materialien. Das war auch mein Berufswunsch. Also wenn ich dann mal irgendwie nach dem langen, harten Schuljahr, also ich habe nur normale Schule gemacht, das Gimmi, dann in den Berufslehrgang, dann möchte ich etwas mit den Händen machen. Wo es herkommt, ich glaube, wir sind auch ein bisschen auf einer Baustelle aufgewachsen. Also Unsere Eltern konnten einen Teil eines alten Bauernhauses kaufen. Wir waren acht. Wir zogen ein und begannen dann, umzubauen. Dann lebten wir über Jahre auf einer Baustelle. Dann wurden Sachen rausgerissen, auf die Mulde gegangen und wegtransportiert. Wir dachten, aus diesen Brettern kann man sicher noch etwas machen. Ich glaube, es wurde uns in die Wiege, in die Kinderstuben oder ins Spielzimmer gelegt worden. Ich weiss nicht. Vater ist Kommunikationsberater, Mutter Sozialarbeiterin. Schon auch beides kreativ, grundsätzlich.

Sandro Meyer [00:03:17]:
Haben dann ihr oder magst du dich irgendwie erinnern an etwas, was das ihr zusammengebaut habt, worauf ihr stolz wart?

Markus Freitag [00:03:27]:
Kannst du

Sandro Meyer [00:03:27]:
dir noch etwas erinnern?

Markus Freitag [00:03:30]:
Ich glaube, es ist alles, was wir miteinander unternommen haben, in einer Form gelungen. Ich hatte gerade... Genau irgendwann wurde das Dach isoliert. Und dann hatte es vorher eine Isolationsplatte. Und das ist klar, das war so irgendwie... ...Leichtes Material, mit Auftrieb. Da dachte ich mir, okay, jetzt müssen wir ein Floss bauen. Und das Floss ist, glaube ich, schon geschwommen. Also wir sind nicht abgesoffen, von dem her. Es gab auch einen Schopf hinter dem Haus. Das war so ein bisschen unser Materiallager. Also die Abmachung mit unseren Eltern war, okay, ihr könnt überall Schrott einsammeln, so viel ihr wollt, aber es muss dort Platz haben. Und dann könnt ihr auch dort drin und daraus machen, was ihr wollt. So quasi. Ah genau, das kann man vielleicht auch noch sagen, In diesem Bauernhaus hatte es noch kleine Schreinerei. Sie übernahmen das von einem Schreiner, der in Pension ging. Es gab noch Maschinen und Werkzeuge. Dann hattest du alles, was du brauchst.

Sandro Meyer [00:04:26]:
Wie war die Dynamik zwischen dir und deinem Bruder? Wenn ich mich richtig besinne, hast du mal gesagt, dass du eher der Macher bist und er eher der Denker. Das ist eine Generalisierung. Wie würdest du die Dynamik zwischen dir und dem Mals beschreiben?

Markus Freitag [00:04:43]:
Ich glaube schon, dass das fast zutrifft. Er kann sich viel länger theoretisch mit etwas auseinandersetzen. Er grunzelt sich auch. Wir sind uns immer einig, dass wir einen Prototyp haben. Ich will aber auch wissen, ob es funktioniert. Wenn es nicht funktioniert, möchte ich gleich den nächsten machen. Ich glaube, er hat dort sicher noch eine analytischere Seite. Er kann sich länger im theoretischen Raum aufhalten als ich. Ich werde dann nervös irgendwann.

Sandro Meyer [00:05:14]:
Braucht es beides? Wenn du jetzt selber ein Projekt umsetzt, fehlt dann etwas? Weisst du,

Markus Freitag [00:05:22]:
was ich meine? Von mir kann ich sagen, dass ich das Gegenüber brauche. Im Idealfall ergänzend von den Eigenschaften, Aber mindestens eins vis-à-vis oder vielleicht sind es auch mehrere. Ich glaube, meine Ideen, Gedanken brauchen einen gewissen Widerstand, das in Frage zu stellen. Das spornt mich an, noch mal über Bücher zu gehen. Ich bin schon überzogen von meinen Ideen, aber nicht so, dass man sie nicht noch verbessern müsste oder vielleicht auch über den Haufen werfen müsste und neu anfangen.

Sandro Meyer [00:05:54]:
Ist das für euch schon mal so, dass ihr nachher, wenn ihr beispielsweise ein Floss gebaut habt, zu anderen Leuten gegangen seid und gesagt habt, dass ihr das Floss auch mitnehmt? Oder hat es euch gelangt, dass das euer Ding war? Ich meine das Zweite.

Markus Freitag [00:06:14]:
Ja, ich könnte es jetzt nicht mehr so genau sagen. Wir hatten eine gute Situation. Es waren zwei Strassen, da wohnten noch andere Schulkollegen. Ich glaube, es kamen immer noch Leute dazu, die uns Feedback gaben. Gewisse Seifenkisten waren so gross, dass man zu dritt oder zu viert rein sitzen konnte. Ich glaube, da gab es schon andere Menschen. Am Schluss, am Sonntagmorgen oder am Morgen nach Weihnachten, haben wir viele Sachen geschenkt bekommen, aber ein paar Sachen, wie du gesagt hast,

Sandro Meyer [00:06:48]:
sind nicht unbedingt das Baum.

Markus Freitag [00:06:50]:
Und wer ist dann am Morgen früh schon am Sonntag irgendwie rumjagend? Der Bruder. Also ist das schon so Komplize Nummer 1, glaube ich. Und das ist auch schon sehr viel, wenn da jemand ist. Mit vier Händen kannst du Sachen machen, die mit zwei Händen nicht so gut hinbekommen. Oder auch zwei Köpfe.

Sandro Meyer [00:07:18]:
Wie hat sich die Dynamik entwickelt? Ist das eigentlich die Dynamik durchgezogen, die du jetzt beschrieben hast zwischen dir und deinem Bruder?

Markus Freitag [00:07:30]:
Freitag gibt es ja seit über 30 Jahren. Wenn wir beide am Tisch sind oder involviert sind in ein Projekt, dann sind das sicher Muster. Die gehen jetzt in unserem Fall schon über 50 Jahre zurück. Man weiss, wer der andere ist, was er kann, wie man ihn nervt, wie man noch irgendwelche Energien für einen macht, wenn es vielleicht auch zu viel ist. Zum Glück waren in unserem Fall bald andere Leute mit am Tisch. Dann kommt man ein wenig aus dem Umgang, wie man im Kinderzimmer oder wo auch immer, hätte praktizieren können, raus. Aber sonst glaube ich schon, dass sich das durchgezogen hat, die Muster. Also ich glaube, da ist jeder recht auch sich geblieben. Und eben, wenn man will, dann funktioniert es, dann ergänzt es sich. Wenn man mal nicht will, dann muss man vielleicht irgendwann auch sagen, okay gut, es gibt ja auch noch andere Gespönli, wo man sich suchen kann, etwas zu unternehmen. Wie muss man sich

Sandro Meyer [00:08:30]:
das denn vorstellen? Also ihr seid zusammen aufgewachsen, also mit acht ist das Bauernhaus in unser Leben gekommen. Du hast vorher gesagt, du hättest dich schon immer vorstellen können, handwerklich etwas zu machen. Wie ist das nach der Grundschule oder während der Oberstufen? Wie hat sich das entwickelt? Waren Sie auf einem ähnlichen Pfad?

Markus Freitag [00:08:56]:
Ich habe das Basteln zum Beruf gemacht. Heute heisst das Polydesign 3D. Ich hatte wirklich Glück bei der Berufswahl, weil ich nicht wusste, ob ich Schreiner, Metallbauer oder vielleicht auch Grafiker werde. Der Berufsberater sagte mir, es gebe etwas, das alles davon beinhaltet. Damals gab man mir eine Liste, alphabetisch geordnet, mit Betrieben, wo man eine Lehre machen kann. Ich habe dann bei A, wie Atelier am Wasser, angefangen, angerufen, eine Schnupperlehre gemacht. Sie hat mich gefragt, ob ich die Lehrwelle machen will. Im Nachhinein in der Berufsschule habe ich herausgefunden, dass das die beste Lehrstelle ist, die ich finden konnte. Es war ein sehr cooler Betrieb, bei dem jedes Projekt nicht ganz klar war, ob man es auf die Reihe bringt, ob es kalkulierbar ist, ob man es fertig bringt bis zum Termin. Also es waren Ausstellungskonzepte, dreidimensionale Objekte. Das war mein Weg. Und Dani hat Grafiker gelernt und hat sich viel früher dann auch mit dem entsprechenden Computer auseinandergesetzt. Also es ist gerade in die Zeit reingefallen, wo man sozusagen von den Leimmaschinen und dem Reprogerät zum Desktop gewechselt hat. Und das war dann schon auch sein Part bei Freitag. Also ich würde sagen, die Digitalisierung war in den Anfangsjahren er dafür zuständig und ich habe dann die Produktion aufgeleist.

Sandro Meyer [00:10:30]:
Während dieser Zeit, ihr seid dann irgendwann ausgezogen, Seid ihr von Anfang an zusammengezogen?

Markus Freitag [00:10:36]:
Nein, vielleicht schon. Jeder hat seine Berufslehre gemacht. Wir haben am Anfang noch zu Hause gewohnt. Ich hatte ein WG-Zimmer in Zürich. Er später, aber wir haben nie miteinander gewohnt. Ausser zu Hause damals. Die Idee von «Kuriertaschen herstellen» ist, glaube ich, noch Er wohnte noch zu Hause, ich war auf Besuch, sass auf dem Balkon und überlegte, was ich machen könnte, mein Studium zu finanzieren. Ich habe nach der Berufslehre noch visuelle Kommunikation an der ZHDK studiert. Was könnte ich jetzt machen, das Studium zu finanzieren. Und ich dachte, es wäre toll, etwas herzustellen, was man dann machen kann, wenn man Zeit hat. Und das vielleicht verkaufen und nicht jeden Abend irgendwo servieren müssen. Dann haben wir nach Ideen gesucht. Wir hatten auch ein Register von Recycling-Materialien, mit denen wir schon gearbeitet haben. Die Lastwagenblasche war noch nicht drauf. Der Autogurt und der Veloschlauch, die auch Teil der ersten Taschen waren, standen schon auf dieser Liste. Dann kamen wir auf die Idee der Kuriertaschen. Er ging aber nachher nach San Francisco. In dieser Zeit stellte ich den ersten Prototyp her. Die sind schon auf dieser Liste gestanden. Und dann sind wir auf diese Kuriertasche gekommen. Er ist aber nachher noch nach San Francisco. Und in dieser Zeit habe ich dann den ersten Prototyp hergestellt. Und meine Wohnsituation, eben die war an der Hartbrück. Und damals sind einfach die Lastwagen von Zürich Nord und Süd über die Hartbrück, Holstrasse, Weststrasse, Silfeldstrasse im Stau. Von morgens 5, 6 bis fast Mitternacht hatte ich eine Lastwagenkolonne vor meinem WG-Fenster. Das war der Moment, als die Lastwagenblasen dazugekommen sind. Heute würdest du Google fragen, wo du robustes, wasserfestes Material findest. Und dann findest du 100 Anbieter. Damals hat es das nicht gegeben und darum der Blick aus dem Küchenfenster auf die Lastwagen mit diesen Blachen für Deck. Und die Idee, an irgendetwas passiert doch mit diesen Blachen, wenn die mal kaputt gehen, ein Loch haben, alt sind. Und so ist eigentlich nachher der erste Prototyp entstanden. Und dann ist Dani aus San Francisco zurückgekommen, hat keine Arbeitsbewilligung bekommen, nach drei Monaten musst du ja wieder abreisen.

Sandro Meyer [00:12:57]:
Ja genau, das ging ja nicht gut.

Markus Freitag [00:13:00]:
Und dann hat er sozusagen einmal die Werkstatt, die in meinem WG-Zimmer war, übernommen, während ich an der Kunstgewerbsschule war. Und dann bin ich sozusagen nach Hause gekommen 4, 5 Uhr und dann war es sozusagen ein Schichtwechsel. Und Dort haben wir uns, wie du gefragt hast, die Rolle schon aufgeteilt. Dort hatte jeder schon wieder gewusst, was er gut kann, gerne macht. Ist

Sandro Meyer [00:13:25]:
es dann, als du gesagt hast, du möchtest ein Produkt machen, klar gewesen, dass er auch involviert ist? Also weisst du

Markus Freitag [00:13:35]:
Nein, nein, das ist Das ist eine gute Frage. Dann müssen wir mit ihm noch ein Interview machen. Wenn ich ihn beobachte, glaube ich schon, dass es hin und wieder ihm passiert, dass er involviert wird und dann auf einmal schon mittendrin ist. Und erst dann sich genau überlegt, ob er das eigentlich wollte. Ich glaube, Ich bin auch so. Ich bin auch nicht jemand, der einen Plan hat und weiss, was als Nächstes kommt. Aber wenn man sich so darin steckt In diesem Fall waren wir einfach Partner für diese Idee. Man braucht zum Teil Jahre, Jahrzehnte, bis man findet, dass es okay ist. Aber man könnte vielleicht auch noch etwas anderes machen. Das ist auch etwas, das uns die letzten 30 Jahre begleitet hat. Wir sind fast per Zufall mit dieser Idee zusammengekommen, Geschäftspartner geworden. Wir haben aber auch über all die Jahre immer wieder versucht, das so zu organisieren, dass es auch ohne uns läuft. Also Nicht nur ohne den einen oder anderen, sondern auch ohne uns. Und das ist wahrscheinlich etwas, das uns noch bis ans Lebensende begleitet. War

Sandro Meyer [00:14:54]:
es schwierig? Es klingt, als wären ihr beide sehr begeisterungsfähig.

Markus Freitag [00:14:58]:
Ja, ich glaube schon.

Sandro Meyer [00:14:58]:
Für neue Projekte. War es nicht schwierig, an einem Produkt zu arbeiten? Es zieht einen immer wieder rein, dann haben wir neue Ideen. Wie habt ihr das unter...

Markus Freitag [00:15:13]:
Sehr. Wenn du jemand bist wie ich, der fast jeden Tag mit einer neuen Idee anfangen würde, dann so lange an etwas dranbleiben, das brauchst du, oder ich jetzt, mindestens eins gegenüber. Ich hätte auch alleine sicher fünfmal aufgehört, weil ich dachte, das wird nie vom grünen Zweig kommen. Dann hat man vielleicht gleich den anderen guten Tag. Dann bleibt man noch dran, dreht noch mal eine Runde, macht noch mal einen Versuch. Es stehen noch drei Paletten voll Lastwagenblasen da. Okay, die verschneiden wir noch, aber nachher ist es fertig. Und was ein bisschen unsere Rettung war, ist, dass dann ganz viele Themen aufs Tapet gekommen sind, die zwar nicht so, wie soll ich sagen, für zwei Gestalter, Designer so lustig sind, so irgendwie eben Buchhaltung, keine Ahnung, Bis heute ist es nicht meine Disziplin. Auch unsere erste Buchhaltung haben wir in einem Grafikprogramm versucht zu machen, bis uns dann mal ein BWL-Praktikant gesagt hat, ihr müsst einfach noch einen PC kaufen, weil es schon 100 Buchhaltungsprogramme gibt. Damals auf Apple einfach noch nicht. Und die Überleitung war, irgendwann beliefere ich Läden mit deinen Produkten, schicke Rechnungen, irgendwann schicke ich auch Mahnungen. Das war dann schon zu trocken. Dann haben wir sehr bald eine Kamera am Computer angeschlossen, damit wir bei jeder Mahnung ein Bild draufdrücken konnten, auf die Mahnung, die ausdruckt. Das ist schon okay, aber wir wollen keine zweite oder dritte Mahnung schicken. Wir haben versucht, überall etwas Kreatives dazuzubringen. Verpackungen, die Auftritte in den Läden, die Anlässe, wenn wir unsere Kunden eingeladen haben. Ich glaube, wir haben rund das Produkt ganz viele Spielfelder gefunden, wo wir uns auch kreativ veraustoben konnten. Sonst wäre ich schon lieber der Designer geblieben, der jeden Tag neue Entwürfe schafft und diese weitergibt, wenn sie etwas hergeben. Aber ich finde es auch heute noch spannend, Produkte bis zum Schluss zu begleiten, bis zum Erfolg oder bitteren Ende. Da kommt schon noch viel. Wenn ein Prototyp da steht, ist das einer. Aber leider beginnt es dann erst.

Sandro Meyer [00:17:38]:
Das ist spannend. Sie haben die Breite in der Tiefe gefunden. Ja. Ja. Ja. Du hast es vorhin so selbstverständlich gesagt, aber dass ihr nach recyclable Materialien gesucht habt. Ihr hattet schon eine Liste. Ich fand hier noch einen anderen Quote von dir gefunden. Ich lese dir auch noch rasch vor. Du hast geschrieben was es macht, in Kreisläufen zu denken und zu handeln. Daraus entstand die Idee, dass im besten Fall aus Abfall etwas Neues und Nützliches entstehen kann." Wir kommen nachher noch auf Circular Design. Aber war das bei dir und deinem Bruder relativ früh drin, dass es selbstverständlich ist, dass man Materialien braucht, die ja schon da sind? Oder wie Du hast vorhin gesagt, wir hätten die Liste, Aber das ist ja nicht selbstverständlich. Ich glaube,

Markus Freitag [00:18:49]:
es kommt schon auch noch aus limitierten Möglichkeiten. Unsere Mutter kommt aus Deutschland, hat den Krieg noch miterlebt. Und dort wirst du, wie soll ich sagen, auch ein bisschen demütig und sparsam. Ich glaube, wenn ihre beiden Söhne oder ihre Partner den Kühlschrank gefüllt und etwas gekocht haben, dann hatten es dort ja auch immer viele Reste. Und sie war dann die, die aus dem noch ein Menü gemacht hat. Und wir haben immer wieder, wenn wir Kochdienste hatten, gefunden, auf was ich Lust das Kochbuch hervorgenommen habe. Wir sind dann gepostet. Und Ich glaube, dort hatten wir schon die Auseinandersetzung im kleinen Familienrahmen. «Ah, hier hat es Reste. Schauen wir, dass die nicht zum Abfall werden, sondern dass die eigentlich eine vollwertige Mahlzeit wiedergeben.» Und dann Mit dem gefundenen Material. Der Komposthaufen, den du erwähnt hast, war wohl auch noch mal eine Erleuchtung. Sonst drehst du den Abfallsack raus, der wird abgeholt und dann ist er weg. Was passiert genau? Man weiss es nicht. Es ist Abfall, klingt schon nicht so gut. Dann hatten wir das Kompostkübelchen, das wir in den Garten schütten. Dann wächst es auf einmal von alleine. Dann riecht die Sugetti noch besser, als wenn man sie irgendwo posten geht. Das hat mir, glaube ich, schon Eindruck gemacht. Der organische Kreislauf. Hätten wir nicht gewohnt, hätten wir nicht den Komposthaufen vor dem Haus gehabt, hätte ich nicht schon mit 7, 8 begriffen, wie der organische Kreislauf funktioniert.

Sandro Meyer [00:20:33]:
Darum war das bei euch auch eher in der DNA?

Markus Freitag [00:20:36]:
Ich glaube schon, ja. Wir haben dann mit dem Recycling angefangen. Das war so die Art von Kreislauf, mit dem wir uns am Anfang befasst haben. Schon im Wissen, man macht lebensverlängernde Massnahmen für gewisse Materialien, aber die Endlösung ist es auch nicht. Dann hörte Dani einen Vortrag von Michael Braungart. Er ist der Erfinder der Kreislaufwirtschaft. Er ist ein deutscher Chemiker. Er hat ein Buch geschrieben, «Cradle to Cradle». Das ist jetzt wahrscheinlich über 20 Jahre her. Das musste man uns nicht zweimal erklären, was da drin stand. Das haben wir dann gerade gecheckt und gesehen, dass wir, wenn wir uns weiterentwickeln wollen, mit Freitag oder anderen Ideen und Produkten, schon immer versuchen müssten, die Kreisläufe zu schliessen. Das ist sicher eine Ambition.

Sandro Meyer [00:21:33]:
Kannst du uns schnell da hinbringen? Wir sind in deiner WG. Mhm. Du bist noch am Studieren. Dein Bruder übernimmt hier die Geschichte, wenn du am Studieren bist. Wie ging es dort ab? Also, weisst du Was war die Ambition, wenn du so willst?

Markus Freitag [00:21:55]:
Ja. Wie ging das

Sandro Meyer [00:21:56]:
dort ab? Was war die Ambition? Diese Plagen, das könnte etwas sein.

Markus Freitag [00:22:05]:
Was passiert da? Ich dachte, das

Sandro Meyer [00:22:05]:
könnte etwas sein.

Markus Freitag [00:22:05]:
Von dort aus,

Sandro Meyer [00:22:06]:
was passiert da?

Markus Freitag [00:22:06]:
Wie muss

Sandro Meyer [00:22:06]:
man sich das vorstellen?

Markus Freitag [00:22:10]:
Es ist die erste Lastwagenplage, die ich mit dem Veloanhänger bei einer Spedition holte. Ich bekam nur ein kleines Stück. Danach kam ich nochmals hier und bekam die ganze Plage. So ein 80-100 Kilo schweres Plagenpaket in den vierten Stock zu bringen, das sind nicht die idealen Produktionsbedingungen. Danach liegt das Teil stinkend Dreckig mitten in dieser WG, wo ich mit zwei anderen gewohnt habe. Die haben einfach nur gefunden, du bist gut bei dir. Als sie dann sahen, dass wir anfangen, die Teile in Stücke zu schneiden, in der Badwanne, wo sie eigentlich gerade duschen wollten, einweichen, in der Wäschmaschine, die daneben stand, dann das Endwäschen. Die Autogurten habe ich mit einem klügen Messer am Gasherd warmgemacht und geschnitten. Ein Räuchlein lag in der Küche. Wenn sie Kaffee kochen wollten, stand ich mit dem Messer am Herd und hatte Autogurten. Es war eine Situation. Es gingen noch andere ein und aus. Ich hatte noch zwei Freundinnen, die begannen, zu helfen. Während ich in der Schule war, haben sie auch geholfen. Es waren schon Bedingungen, bei denen die WG-Kollegen, so wie ich, sie vielleicht noch mehr, nicht so schnell vergessen. Dann kam der erste Atelierplatz dazu. Aber ich glaube, indem man sich das Material quasi nach Hause getragen hat, in die Wohnung gelegt hat, war das mal da. Und seitdem ist es wie nicht mehr verschwunden. Man muss es verarbeiten, man muss es wieder wegbringen. Der Balkon ist fast abgebrochen, weil wir dort Säckeweiss-Schnittresten gesammelt haben. Und gesagt haben, aus denen können wir dann noch kleine Produkte machen, vielleicht Portemonnaie oder sonst etwas. Ja, das waren so die Anfänge, 1993, 1994.

Sandro Meyer [00:24:00]:
Da sieht man auch so ein bisschen den Ethos, oder? Also man hat irgendwie eine Idee und danach macht man einfach mal Prototypen, oder? Wie lange ging es dann bis Sie einen Prototyp hatten? Wie waren die ersten Verkäufe? Haben Sie die Tests selber ausprobiert? Was waren die Designentscheidungen? Dein Bruder war in San Francisco. Dort gab es ja die Messenger Bags,

Markus Freitag [00:24:28]:
das ist

Sandro Meyer [00:24:28]:
glaube ich die Inspiration.

Markus Freitag [00:24:30]:
Ja, das Vorbild war glaube ich New York, San Francisco, wo es Velokurier schon gab. Da sind dann auch gleich die ersten auf die Strasse gekommen oder schon waren. Ich bin gar nicht sicher, welche Taschen sie gefahren haben. Ähm, ja, Ich hatte eigentlich keine Ahnung von Schnittwursterentwicklung. Sehr pragmatisch, es ist ein sehr sperriges Material. Es ist näher bei einem Brett. Also diese Blache ist nicht ein Leder oder ein Stoff. Es ist sehr stief. Also man kann das

Sandro Meyer [00:25:01]:
nicht von Hand wirklich...

Markus Freitag [00:25:03]:
Schon, aber du kannst nicht, sage ich mal, Taschen zeichnen und dann denken, die sehen dann auch so aus, wenn du sie aus dem Material machst. Es ist ein bisschen Design to Material oder die Limitation des Materials muss man in das Design einbeziehen. Der erste Tastentwurf, der noch heute in der Kollektion ist, also am Rand existiert sie noch, ist in 2-3 Stunden entstanden. Ich habe sehr naiv und pragmatisch das erste Schnittmuster gemacht. Ich wusste, die sollte A3 gross sein, einfach verlängerbar auf A2. Also es war noch nicht quasi ein Laptop, das grösste Format, sondern es waren noch Papierdokumente, die man transportieren wollte, also eben auch als Schüler oder als Kunstgewerbsschulstudent. Und das ist eigentlich so ein bisschen, ja, also bis heute etwas, wie ich gerne arbeite. Ich nehme mich und meine Bedürfnisse quasi und versuche dort für Lösungen zu finden. Der erste Entwurf war nicht schlecht, den habe ich dann auch nach San Francisco geschickt. Daniel hat dann den mit einem richtigen Velokurier getestet.

Sandro Meyer [00:26:13]:
Also ihr habt die Taschen übergeschickt?

Markus Freitag [00:26:15]:
Ja, Er war dort und wusste, dass die Messenger sich an dem und dem Platz treffen, wenn sie keinen Job haben. Er hat die Messenger beobachtet und fand, dass dieser noch gefährlich aussieht. Er hat ihn angesprochen und gesagt, dass er eine Tasche aus einer alten Lastwagenblase hatte. Das sollte eigentlich ein Kurier-Bag sein. Was haltest du davon? Willst du mal einen Tag damit arbeiten? Ich fahre dir mit der Fotokamera hinten an. Das hat er gemacht und hat erstens Bilder zurückschickt, zweitens aber auch noch ein, zwei Verbesserungsvorschläge. Dann habe ich das quasi wie einen nächsten Prototyp überführt. Und parallel habe ich natürlich auch meine Schulkollegen, Freunde, konfrontiert mit diesen Prototypen. Nicht gut. Sie hat mich gefragt, was das ist. Ich sagte, das siehst du doch. Sie sagte, es sei etwas schief und dreckig. Ich erklärte ihr, was es sei. Eine kleine Anekdote, wie es zum Namen kam. Freitag ist ja der Familiennamen von uns. Aber diese Tasche lag auch auf dem WG-Tisch in der Küche. Und einer der beiden Mitbewohner hat erlebt, dass wir dachten, wenn da kein Brand drauf ist, ist es auch nie ein richtiges Produkt. Da muss ein Name her. Wir suchten nach Namen, und er fand, wir suchen nicht zu weit. Wir haben ja schon einen guten Namen.» Ich fragte, was er meinte. «Eben, Freitag, der Familiennamen.» «Gut, das muss nicht sein, aber aus Witz.» Dann habe ich die fetteste Schrift, die im Computer verfügbar war, die man zum Teil auch auf den Lastwagen sieht. Also so ein bisschen Transit-Grafikmässig. Wenn Lastwagen schnell vorbeifahren, dass du es noch lesen kannst, macht man die Schrift fett und eher langverzogen. Das war die Inspiration. Ich habe, obwohl ich das in der Schule gelernt habe, die Schrift noch etwas verzogen, damit man es nicht fett macht. So entstand das Logo, also der Brand Freitag, entstanden. Wir haben dann ein Stückchen Veloschlauch ausgeschnitten und einen Siebdruck drauf gemacht. Der Blätz-Veloschlauch ist das schwarze Label.

Sandro Meyer [00:28:38]:
Das hat er dann so draufgenäht? Ja. Die Kollaboration war zum Teil sogar über See mit deinem Bruder.

Markus Freitag [00:28:47]:
Für eine kurze Zeit, bis er nach Hause kam.

Sandro Meyer [00:28:49]:
Genau. Und Wie habt ihr dann angefangen Wann war die Entscheidung, dass das etwas ist, das man verkaufen kann?

Markus Freitag [00:28:59]:
Ja Es gab schon eine Nachfrage. Wir wollten natürlich Irgendwann hatten wir das Gefühl, das sei eine gute Idee. Wenn es weitergehen würde, wäre es gut. Das wäre unsere Idee. Wir könnten es schützen. Wir hatten aber weder Budget noch viele Bekannte, die Anwalt waren. Der hat uns aufgeklärt und gesagt, dass Patente schwierig sein wird. Schnittmuster kann man schützen, aber dann kann jemand das anders machen. Dann ist es schwierig, das durchzusetzen. Die Marken könnt ihr schützen. Okay, dann haben wir das mal gemacht. Wir haben dann Freitag, wo immer möglich, als Wort- und Bildmarke registriert. Ist das gegangen? Aber das Patent für Taschen aus alten LKW-Planen, das hat damals keinen Sinn gemacht oder hätte man wahrscheinlich gar nie bekommen. Wie Tisch aus Holz, was wahrscheinlich auch schwierig ist. Dann hat er uns aber gesagt, wenn eure Idee irgendwo publiziert wird, in einem öffentlichen Medium, kann man sich im Streitfall darauf beziehen. Dass wir in dem Sinne datiert sind, da ist quasi über euch berichtet worden. Das kann euch helfen, wenn jetzt Kopien entstehen. Ja, Und so war dann eigentlich die Idee, den Prototyp zu den Medien zu tragen. Es gab damals noch Tagesanzeigemagazine. Damals gab es noch die Rubrik, die heisste «Produkte im Trend». Ein Produkt wurde vorgestellt. Ich dachte, das wäre es. Die Zeitung wisste in der Schweiz fast jeden. Wenn wir eine Seite hätten, die unsere Idee präsentiert, dann hätten wir das, dann könnten wir das abhaken. Dann bin ich dort hingefahren und habe gefragt, wer für die Rubrik zuständig ist. Ich habe einen Vorschlag, aber sie sagt, man könne nicht einfach kommen und sie würde das selber recherchieren. Und sowieso, das sei ja nicht im Trend. Das kenne ja niemand. Aber wenn ich es nicht bringe, wird es auch so bleiben. Und wenn er etwas darüber schreibt, ändert sich es. Das war der erste Auftritt in einem Medium, das klappte, aber wir wollten wissen, wo man es kaufen kann. Ich erklärte, dass an der Hohlstrasse bei Freitag Leute auf den vierten Stock kommen, aber erst ab der fünf. Vielleicht im Laden. Dann wussten wir, dass wir Händler finden finden. Doch, das haben wir gefunden. Also, wir haben sehr bald, im Zusammenhang mit dieser Erscheinung, der Publikation, eine erste Bezugsquelle organisiert. Das war ein Skateshop in Zürich. Parallel dazu haben wir schon auch gefunden, während wir nicht unsere Kollegen direkt bedienen, also dass wir die nicht in einen Laden schicken müssen, und haben auf der Hartbrück Und einmal in einem Parkhaus auf dem obersten Dachdeck so zwei Events veranstaltet. Das konnte man dort auch noch nicht einordnen. Der Begriff Event war nicht so geläufig. Auch die Polizei, die vorbeigefahren ist, dachte, was machen die da?

Sandro Meyer [00:32:19]:
Wie muss man sich diese Szenen vorstellen? Es gibt ein gutes Foto, das ich verlinke, in den Show Notes. Kannst du das Bild Wenn du auf der Hardbrücke zeigst

Markus Freitag [00:32:31]:
Wir dachten, wir gehen zurück zum ich habe nicht immer noch dort gewohnt, aber eigentlich haben wir gefunden, wir zeigen doch am besten unseren Interessenten, wo das Material herkommt, nämlich von der Strasse. Es gab dort schon die Passagen auf der Hardbrücke und haben die ersten 50 Taschen an der Leitplanke montiert. Es gab noch einen Stapel Zuschnitt. Sie haben die Kanister, also Benzinkanister, verschiedene Getränke zur Verfügung gestellt. Und dann sind da, weiss auch nicht, ein, zweihundert Kollegen gekommen. Ach doch? Ja. Und haben sich die Taschen angeschaut und haben die ein oder andere gekauft oder haben sich Zuschnitt aussortiert und gesagt, ja bitte die dann zusammen nähen. Also Ich bin nicht fertig geworden mit dem Nähen und dann habe ich gefunden, das ist doch die Idee, da können doch die Leute selber so custom das sich zusammenstellen. Und da haben wir sicher auch Freude daran gehabt. Direktes Feedback von den Kunden, das ist immer gut. Es war auch ein Erlebnis. Die Polizei, die vorbeigefahren ist, konnte das nicht einordnen. Was machen die Leute auf dieser Brücke? Sie sind etwas langsamer gefahren, weitergefahren und dann nochmal gekommen. Nach ein paar Stunden sind wir dann auch wieder weg gewesen.

Sandro Meyer [00:33:51]:
Und nachher von dort her, wenn man so ein bisschen die Feuerspule anmacht, dann habt ihr dann irgendwann sagen müssen, ist das jetzt ein Business? Sind dann nicht die ersten Läden gekommen und so? Oder war das klar zu dem Zeitpunkt, als ihr auf der Hardbox warst?

Markus Freitag [00:34:08]:
Du warst

Sandro Meyer [00:34:08]:
ja noch im Studium. Was ist euch zu dieser Zeit in den Köpfen gegangen?

Markus Freitag [00:34:13]:
Was wir schon bald gemerkt haben, ist, dass es mal recht lange kein Business sein wird. Also dass es sehr aufwendig ist, das Material zu finden, herzubringen, zu reinigen, dann zu schneiden, zusammennähen. Also eigentlich sind wir nicht sicher gewesen, ob das auf dem grünen Zweig kommen könnte. Auch schwierig kalkulierbar, so eine Karte herzustellen. Und Ja, trotzdem spürten wir, dass schon eine Nachfrage da ist. Wir glaubten, dass wir noch effizienter werden und uns noch besser organisieren können. Es gab bis heute nie einen Businessplan richtig, weil wir nie das Business daraus machen wollten. Wir hatten immer einigermassen Spass an diesem Projekt. Und dann haben wir immer wieder gefunden, dass wir aufhören. Weil es eben doch nicht reicht, das WG-Zimmer zu bezahlen. Wir hatten aber trotzdem einen ersten Mitarbeiter. Wir sind auf die Suche gegangen nach jemandem, der besser und schneller nähen kann. Wir haben jemanden gefunden und hatten dann ein gewisses Gefühl, dass wir jetzt ein wenig Verantwortung für Salim haben. Wir dachten, wir würden jetzt aufhören und dann wahrscheinlich etwas anderes machen. Aber Salim, das ist jetzt sein Job. Ich glaube, das hat Also, wir sind ihm wahrscheinlich auch dankbar, dass es ihn gab. Ich dachte, wir machen noch mal ein bisschen weiter. Und dann haben wir es doch irgendwann geschafft, an einen Punkt zu kommen, wo wir ein Atelier mieten konnten, uns wahrscheinlich kleine Löhne bezahlen, 1'500 im Monat oder so. Und so ist es eigentlich weitergegangen.

Sandro Meyer [00:36:13]:
Was waren dann die Meilensteine für euch? Auch wenn ihr keinen Businessplan hattet, gab es doch wahrscheinlich grössere Challenges, die ihr darüber haben müsstet.

Markus Freitag [00:36:28]:
Ich muss mich das überlegen. Es ist immer wieder so, dass die Medien die Geschichte gut gefunden haben. Was haben

Sandro Meyer [00:36:38]:
die Medien gut gefunden?

Markus Freitag [00:36:40]:
War es eine Story? Stimmige Dinge. Die Materialien der Strasse kommen ein zweites Leben über. Sie kommen zurück auf die Strasse, auf den Rücken von Velofahrerinnen, Fussgängerinnen. Das ist Hätten wir für diese Publizität bezahlen müssen, wäre es wieder nicht aufgegangen. Hätten wir nicht so ein Goodwill der Medien, die Geschichte zu erzählen, hätten wir klassische Werbung machen müssen. Ich weiss nicht, wo wir das Budget hergenommen hätten. Das war sicher auch wieder Glück. Wir hatten immer wieder Glück oder wirklich eine gute Idee, die mit allen Herausforderungen doch Ja, es ist ein sehr teurer Produktionsstandort, die Schweiz. Also auch heute noch oder mehr denn je. Da geht es irgendwie gerade so knapp auf. Und das ist eigentlich toll. Meilenstein. Sicher dann mal auch den Laden von Freitag. Also man hat immer gedacht, die Lastwagenbolagen, das eine. Aber wenn man mal einen Laden hat, der könnte ja dann auch in einem Container sein, wie man es auch kennt von den Lastwagen. Und dann ist der Kiesplatz an der Geroltsstrasse Jahre leer gestanden und man sagte, das könnte man jetzt mieten. Und Mittlerweile ist ja fast der Laden in Zürich mindestens genauso bekannt wie das Produkt. Und das hat uns sicher sehr geholfen.

Sandro Meyer [00:38:09]:
Ist das vor Anfang auch so ein Turm gewesen?

Markus Freitag [00:38:12]:
Ja, wir haben dann doch schon die Kollektion, das war 2006. Also der erste Laden haben wir in Davos aufgemacht, Das war aber auch mehr ein Spassprojekt. Wir haben gefunden, einen Laden über den Nebelgrenzen kann man mit Snowboarden verbinden. Der zweite Laden war in Hamburg. Später dann, ich glaube, nachher kam noch Köln Berlin. Dann eigentlich erst Zürich. Wir hatten in Zürich gute Partner, Händler. Wir fanden dann aber trotzdem, dass es so nahe der Fabrik, in einem eigenen Shop, die Kollektion schon etwas zu gross war, in einen Container zu passen. Dann holten wir im Franz-Karl-Weber-Modellbau-Container. Wir haben früher im Kinderzimmer so kleine Türme gebaut. Ich dachte, vielleicht könnte man hier so einen und da noch so einen. Sehr bald zogen Architekten, die auch auf dem gleichen Fabrikareal waren wie wir, dazugezogen. Die haben uns dann aufgeklärt, es gebe eine Hochhausgrenze. Wenn es dann darüber geht, ist es ein Hochhaus, aber bis 26 Meter könnte man wahrscheinlich bauen. Das haben wir natürlich toll gefunden. Okay, also gut, dann haben sie ihnen eigentlich den Auftrag gegeben und gesagt, ja, machen doch da jetzt einen Freitagsshop, das alte Container, so hoch wie es geht. Oben eine Aussichtsplattform, dass man wieder auf die Harzbrücke schauen kann und sieht, wo das Material herkommt, aus dem die Messenger Bags gemacht sind.

Sandro Meyer [00:39:39]:
Ist das dann so baubewilligungstechnisch... Es ist ja schon etwas Spezielles, oder?

Markus Freitag [00:39:43]:
Das ist

Sandro Meyer [00:39:43]:
ja nicht mit Fundament und Beton und so. Heute sieht man das noch öfters einmal mit solchen Containern, aber damals war das schon nicht

Markus Freitag [00:39:54]:
so. Also in dieser Dimension war es schon in der Zeit voraus. Die Architekten mussten sehr bald Statiker oder Ingenieure beiziehen und haben herausgefunden, wie viel Gewicht es im Boden braucht, damit der Container, wenn der Wind kommt und gegen den Container-Turm bläst, noch stehen bleibt. Damit der auch leicht schwanken darf. Man hat dann so Lashings angebracht. Das ist das gleiche wie auf dem Containerschiff. Also dort werden die auch zum Teil so einfach gestapelt. Hm, okay. Klimatisch nicht ganz ohne. Es sieht so günstig aus, ist aber auch nicht billig, wenn man in der Schweiz baut. Auch aus alten Containern nicht. Sie rosten. Wir haben die rostigsten ausgesucht, weil die uns von der Farbe am besten gefallen haben. Das würde man heute wahrscheinlich auch nicht mehr so machen, weil die dann irgendwann schwierig sind zum Auswechseln. Vor allem wenn einer von den unteren wirklich durchrostet, dann muss man es eigentlich nochmal gleich neu bauen. Also dort haben wir sicher auch dazugelernt. Und es war sehr sportlich, weil wir nur gewusst haben, dass wir wahrscheinlich diesen Ort für ein paar Jahre mieten können und dann gibt es dort vielleicht andere Bauprojekte. Darum ging das sehr schnell. Man muss acht Wochen ausstecken, dann Einsprachen zu geben. Wir bekamen einen Kredit zum Bauen von der Bank, die nebenan den Hauptsitz hat. Die machten mal keine Einsprachen, weil es ein Witz wäre, sie würden uns einen Kredit geben. Dann hat das geklappt. Wir haben einen sehr mutigen Umsetzungspartner gefunden. Raumbau, hiess es. Die hatten nebenan die Werkstatt. Alles entstand in sehr kurzer Zeit. Und Ich hätte nie gedacht, dass das bis heute steht.

Sandro Meyer [00:41:39]:
Ja genau, und da hat dann doch niemand etwas gesagt. Ich meine, wenn du das aussteckst,

Markus Freitag [00:41:42]:
das ist

Sandro Meyer [00:41:43]:
ja schon ein komisches Gebiet. Das ist ja

Markus Freitag [00:41:45]:
eigentlich eine relativ kleine

Sandro Meyer [00:41:46]:
Grundfläche und relativ hoch.

Markus Freitag [00:41:49]:
Also gut, man muss sagen, damals hat es dort einfach auch noch nichts gegeben rundherum. Also das Quartier hat sich ja extrem entwickelt. Ich weiss gar nicht, ob das so richtig jemand wahrgenommen hat. Also... Okay.

Sandro Meyer [00:42:03]:
Also nicht... Okay, die Bank war ja wie so weit, das stimmt.

Markus Freitag [00:42:05]:
Ja, und sonst war das halt ein Ort. Eigentlich hatten es ein paar Clubs rundherum, aber ich glaube, in der Nacht siehst du die Baugespanne nicht so gut.

Sandro Meyer [00:42:16]:
Was wir jetzt ein bisschen übersprungen haben, du hast eigentlich gesagt, ihr hättet eure Stores hier. Aber ich meine, das ist ja dann schon auch ein rechter Schritt, ins Ausland zu gehen. War es dann für euch nötig, relativ schnell ins Ausland zu gehen? Weisst du, Ist das ein Nischenprodukt?

Markus Freitag [00:42:35]:
Also, es ist Die Medienberichterstattung war sicher auch interessant zu beobachten. Zuerst hat man es entdeckt, dann hat man es toll gefunden. Danach haben es ein paar Leute getragen. Wir konnten aber noch lange nicht davon leben. Dann hat man schon gefunden, ja, das kennt man jetzt, das ist jetzt nicht mehr cool, das haben jetzt alle. Und dann hatten wir schon das Gefühl, es wäre gut, man hätte noch ein, zwei andere Städte, wo man auch Fuss fassen kann. Ein Haar wären wir auf London. Wir sind, ich glaube mal ein, zwei Wochen durch London gefahren und haben dort nach Atelierräumen gesucht, weil wir in Zürich nichts mehr gefunden hatten. So ein nächstgrösseres Atelier. Es kam mir per Zufall nicht stand. Der Besitzer hatte den Raum schon jemandem versprochen, Der Makler wusste es noch nicht. Wir waren zurück in Zürich, da kam die Absage. Wir packten schon den Koffer. Dann war Berlin der erste Schritt. Wien, wo wir Vertriebspartner gefunden haben. Also Läden, die wir direkt beliefert haben. Wir sind auch mit Koffern voller Taschen im Nachtzug in die Städte gefahren und haben versucht, dort auch über das Netzwerk von Kollegen an mögliche Interessenten hinzukommen. Wir haben kleine Töpperware-Partys veranstaltet. In Wien war es bei einem Coiffeur, weil wir keinen Raum mehr fanden. Er fand, am 7. Sei fertig, er könnte dann schon eine Party veranstalten. Er sah, wie wir am Abend 20, 30 Taschen verkauft hatten. Er sah, wir hätten noch 20 vor uns. Er fand, er könne die hier in seinem Salon ausstellen. Der Coiffeur wurde immer grösser. Der hat sich dann von einem kleinen Coiffeursalon zu einem Concept Store gewandelt. Das war einer der grössten Kunden von Freitag über viele Jahre. Also es sind so lustige Geschichten.

Sandro Meyer [00:44:32]:
Ja, Das ist auch eine gute Story. Aber es ist nicht so Man könnte meinen, wenn wir von den Meilensteinen reden, von 1993 bis 2006, dass sie die Welt gechattet sind und all die Stores aufgemacht haben. Aber es klingt auch immer noch Ihr hattet die Taschen dabei, ginget von Store zu Store. War das noch nicht diese riesige Operation? Ja,

Markus Freitag [00:44:57]:
es wird schon immer gefragt, wann es so richtig losging. So fühlte es sich wohl nie an. Es ist wirklich immer schon, und ich glaube auch immer noch, sind es viele kleine Schritte und eben vielleicht mal zwei nach vorne und dann wieder eine zurück. Und auch Sachen ausprobieren. Also zum Beispiel New York hat es auch mal einen Freitagshop gegeben. Ja, das macht mich auch wieder wunderbar. Da haben wir nach drei Jahren dann doch wieder aufgegeben, weil wir gemerkt haben, ich glaube das Produkt ist zu teuer oder wir sind zu wenig laut im Kommunizieren, dass wir jetzt hier New York erobern könnten. Da kann man vielleicht wieder mal einen Versuch machen, aber das hat es schon auch gegeben. Aber die meisten Sachen haben schon... Ah nein, eigentlich nicht. Aber viel hat funktioniert.

Sandro Meyer [00:45:43]:
In Sachen New York, da fällt mir gerade noch ein, das ist ja die erste Dash, die du vorher erwähnt hast, ist ja noch Teil der MOMA Collection. Wie ist denn das zustande gekommen? Weil das ist ja für einen Designer schon noch eine schöne Auszeichnung, dort so im Archiv zu sein. In welchem Jahr sind wir da?

Markus Freitag [00:46:05]:
Das ist so im Jahr 2000

Sandro Meyer [00:46:09]:
ungefähr. Also relativ klein eigentlich.

Markus Freitag [00:46:12]:
Ja, so 6-7 Jahre nachdem wir gestartet haben. Es braucht irgendeine Donatorin, die das Designobjekt quasi bei MoMA einreicht. Und Dann gibt es ein Komitee, die darüber bestimmen, ob sie es würdig finden, ihre Collection aufzunehmen. Das quasi mit dem ersten Prototyp gelungen eigentlich. Es ist noch einhergegangen mit Lars Müller, das ist ein Design-Architektur-Buch-Verlag. Der ist auch sehr früh, auch dann, auf uns zugekommen und gesagt hat, ja, das ist doch eine spannende neue Geschichte, da müssen wir doch ein Buch darüber machen. Er hat schon eine Maquette mitgebracht, er sagte, etwas so dick müsste es sein und etwas so gross könnten wir. Also das sind ja, ich weiss auch nicht wie viele hundert Seiten und so. Aber gut, wenn du meinst. Und er hat das auch, die Donation, glaube ich, dann mit eingefädelt. Aber eben bestächen kann man das momentan nicht. Das hat aber dann geklappt und ist einhergegangen. Und im gleichen Jahr ist das Buch herausgekommen von Lars Müller. Und es wurde in die Sammlung aufgenommen. Es klappte aber und ein Buch kam heraus. Im selben Jahr kam das Buch von Lars Müller heraus. Und die Sammlung

Sandro Meyer [00:47:24]:
wurde aufgenommen. Du hast schon ein paar Mal gesagt,

Markus Freitag [00:47:28]:
dass das

Sandro Meyer [00:47:28]:
Circular Design ein grosser Punkt bei euch ist. Ihr schreibt, glaube ich, auch auf der Website, dass ihr «Freitag denkt und handelt in Kreisläufen». Ihr habt so ein Manifesto, das ihr mit einem Designer,

Markus Freitag [00:47:47]:
Ja, mit zwei Künstlern, Brüdern, Zwillingen, Also es waren vier Brüder, die sie erarbeitet haben.

Sandro Meyer [00:47:55]:
Und dort habt ihr euren Wert aufgeschrieben oder eure Prinzipien. Eines, das ich auch sehr spannend finde, neben dem Circular Design, ist auch das ganze Thema der Re- Was willst du? Re-Kontextualisierung. Kannst du das vielleicht schnell erklären? Klar, man versteht es, wenn man es hört, aber ich konnte es vorher nicht so kenntgehen. Vielleicht ein, zwei Beispiele, warum das Teil eurer DNA

Markus Freitag [00:48:24]:
ist. Sicher das populärste Beispiel ist Ich nehme einen Lastwagenbelag, der nicht für eine Tasche bestimmt ist. Man macht z.B. Eine Tasche draus. Oder wir haben vorhin über unseren Containerturm gesprochen. Das ist ein Frachtcontainer, er wird zu einem Gebäude. Also etwas nehmen und in einem eigentlich ja, nicht dafür vorgesehenen Kontext wieder einzusetzen, das wäre das Prinzip. Das war uns nicht so bewusst. Das hat uns einfach immer gefallen. Wir haben viel auch mobiliar quasi aus einer alten Eisenmulde gezogen auf dem Magerreal. Das ist dort, wo unsere erste Produktion angesiedelt war.

Sandro Meyer [00:49:03]:
Wir haben da weitergemacht, wie ihr es gehört

Markus Freitag [00:49:04]:
habt. Also die haben ihre Produktion runtergefahren und haben immer wieder Industrieregale und Sachen vorgeschmissen. Wir haben das dann wieder rausgezogen und gefunden, das sieht doch in einem Shop eigentlich auch noch cool aus. So ist eigentlich auch das Corporate Design von Freitag entstanden. Also

Sandro Meyer [00:49:20]:
das Grün hier.

Markus Freitag [00:49:21]:
Das Industriegrün. Das heisst so. Das ist ein Grün, den man genommen hat, die Maschine in einer Farbe zu gestalten, dass die Menschen, die an der Maschine arbeiten, trotzdem noch entspannt sind. Also wäre die Maschine knallrot, würde ich das wahrscheinlich irgendwie nicht so halten. Darum war das Industriegrün verbreitet. Und das haben wir einfach immer mehr auf einmal in unserem Umfeld vorgefunden. Und dann haben wir das zu einer unserer Corporate Colour erklärt. Heute sieht man es ganz viel. Es ist eine rechte Modefarbe geworden. Nicht nur bei Freitag. Bei uns sieht man es fast ein wenig weniger. Wir haben gefunden, wir sind eben unikat, sehr farbig und sonst vor allem schwarz-weiss, also zurückhaltend, aber gelb und Industriegrün sind so dazu gekommen. Das ist das Prinzip des Rekontextualisieren, das uns einfach irgendwie auch in der Gestaltung Spass gemacht hat. Etwas, was man nicht erwartet, weil es vielleicht für etwas anderes gedacht war, eine neue Umgebung zu bringen. Und das Denk- und Handeln im Kreislauf Ja, ich glaube, das ist schon toll, dass man mittlerweile überall mindestens davon spricht. Also, alle wissen, das wäre wahrscheinlich die Lösung für viele Probleme, die wir haben. Aber es ist sehr anspruchsvoll, diese Lösung zu entwickeln. Das sieht man jetzt. Greenwashing und wirklich kreislauffähige Produkte. Es ist nahe beieinander und man muss als Konsument gut hinschauen, was einem erzählt und verkauft wird.

Sandro Meyer [00:51:10]:
Kannst du das noch, weil es ein entscheidender Teil ist von eurer DNA und eurer Geschichte? Wo steht ihr als Firma? Was war euer Journey in diesem Circular Design? Es sind ja auch noch andere Sparten drin, wie Kleidung. Was war eure Reise? Die sind ja auch noch in anderen Sparten drin. Wo Kleidung und Was war da eure Reise? Du hast gesagt, das kannst du mir vielleicht noch anhängen. Wenn du sagst, die Branche und die Konsumenten haben das entdeckt, dass das Sinn macht, wo stehen wir als Gesellschaft in diesem Bezirk?

Markus Freitag [00:52:01]:
Wenn ich hier anfange, vor grossen Herausforderungen, weil es nicht einfach ist, umzustellen, umzudenken, aber dass die Produkte dann auch so sind, wie man sich schon an sehr hohe Eigenschaften gewöhnt hat, die in den organischen oder technischen Kreisläufen, die wirklich geschlossen sind, nicht so einfach umzusetzen sind. Es braucht natürlich auch immer Volumen. Wir haben von der Wertehaltung her Da kommen wir vielleicht noch nochmal auf das Manifest, weil es ist ja lustig wie das entstanden ist, eigentlich schon gewusst gehabt, eigentlich müsste man ja diese Kreislaufschleife schliessen. Also Nur eine Lebensverlängerung von einem Material ist mal gut, ist immerhin schon 50% besser als wenn es durch Kreislauf geht. Zum Beispiel bei Blachen jetzt. Bei Blachen. Aber eigentlich wäre es doch cool, man könnte dann aus diesen alten Taschen wieder zum Beispiel neue Lastwagenblachen oder wieder neue Taschen machen. Also toll wäre auf diesen Lastwagen wäre auch kreislauffähiges Material. Dann haben wir eigentlich vor vielen Jahren schon mal das Ingenieurbüro von diesem Chemiker, der eben diese Kreislaufphilosophie als erstes propagiert hat, beauftragt und gesagt, hey bitte, wir brauchen dann eigentlich eine kreislauffähige Lastwagenblase, damit wir da können, ja, auch in 10, 20, 30 oder 100 Jahren noch gut hinter unserem Produkt stehen können. Das Projekt hat mal ein bisschen seinen Anlauf genommen, ist aber wieder eingeschlafen, weil man schon gemerkt hat, es ist nicht so einfach, das Material zu entwickeln. Dann haben wir es aber jetzt vor, ja mittlerweile auch schon wieder einige Jahre nochmal losgestossen und jetzt sind wir mit verschiedensten Partnern in dieser Textilen Lieferkette, wenn du so willst, oder ja, eigentlich die kreislauffähige Lastwagenbelage entwickeln. In der Hoffnung, dass das dann in Zukunft auf allen Lastwagen unterwegs ist, dass wir dann eigentlich ein Material in unseren Produktionskreislauf bekommen, der in dem Sinn eigentlich endlos rezyklierbar oder wiederverwertbar oder eben kreislauffähig wäre. Und diese Ambition, ja, die ist immer möglich. Also haben wir diese, aber eben es ist zum Teil ein ganz langer Weg, bis man Partner findet oder eben technische Möglichkeiten findet. Auch kommunikativ ist es nicht so einfach. Es gibt zum Beispiel noch ein Mono-Materialbag. Das hat gar nichts mit einer Lastwagenplache zu tun. Das ist eigentlich ein zweites Produkt, das wir gefunden haben. Wir machen eine Tasche, in der der Reissverschluss, der Faden, das Polster, der Gurt, das Fabric, alles was es braucht für einen Rucksack, aus einem und dem gleichen Material ist. Und dann mussten wir eigentlich alle diese Komponenten entwickeln, damit, wenn dann der Rucksack keine Ahnung wie viele Jahre oder Jahrzehnte wirklich mal nicht mehr reparierbar ist, man ihn eigentlich wieder in den Topf rühren kann und wieder ein neues Garn oder ein neues Zipper oder was es dann ist, daraus herstellen. Und ich glaube, die braucht jetzt ganz viel Effort von allen Produzentinnen und Produzenten und Labels, dass man sich in diese Richtung bewegt. Und ich glaube, wenn die Nachfrage von Konsumenten und eben auch von den Marken dazwischen kommt, wird es auch attraktiv für die Industrie, sich dort hinzubewegen. Aber noch vor nicht so langer Zeit wurden wir mit dieser Idee noch nicht so verstanden. Was ist das Problem? Aber jetzt, wo auch grössere Brands in diese Richtung gehen müssen, zum Teil auch durch Gesetzgebungen, wo ja schon die Schraube angezogen wird, was ich gut finde, geht schon etwas. Aber ich hoffe, Je länger, desto schneller.

Sandro Meyer [00:55:46]:
Ich hatte bei euch immer das Gefühl, ihr redet nicht gross über Nachhaltigkeit. Ihr redet eigentlich Es ist wie Table Stakes. Es ist wie Ja, klar, wir sind ein Designer. Uns ist das wichtig. Darum machen wir das so, wie es am meisten Sinn macht. Ist das eine faire Aussage?

Markus Freitag [00:56:09]:
Ja, ja. Ich finde auch Klar, im Moment reden viele und alle davon, einige machen es schon, einige machen es ein bisschen besser. Das Denke und Handle Kreisläufe. Aber am Schluss, wenn alles so wäre, ich weiss auch nicht, in wie vielen Jahren von was unterscheidet, oder wie unterscheidet man sich dann noch von den anderen. Und da glaube ich hätte jetzt Freitag zum Beispiel mit dem Unikat, also in unserem angestammten Produkt mit der Tasche, schon einen USP, den man auch nicht vergessen darf. Das ist vielleicht das, was am Schluss die Eigenschaft des Produkts noch mehr ausmacht. Weil du als Userin nicht so recht weisst, ob dieser Zipper kreislauffähig ist oder nicht. Man muss es überprüfen oder glauben, aber man sieht es nicht. Dass es eine Freitagetasche unikal ist, unterscheidet uns von allen anderen, die auch Taschen machen. Und darum, glaube ich, erzähle ich mir nie nur diese eine Geschichte und sonst nichts. Ich glaube, wir haben ganz viele Geschichten, die wir erzählen können. Und darum wird es hoffentlich eben auch nicht so schnell langweilig mit uns.

Sandro Meyer [00:57:22]:
Was ist denn euer Wenn ich es sicher verstanden habe Weil noch nicht so viele über das Thema nachdenken, müssen ihr eigentlich die Materialien entwickeln, bzw. Ihr die Prozessschritte mit entwickeln, mit Partnern. Also das gibt es einfach noch nicht, in dem Sinn.

Markus Freitag [00:57:42]:
Ja, oder jetzt je länger je mehr. Aber wir sind ja, da ist noch Kleider angesprochen, Eigentlich wollten wir ein organisches Material mit einer Eigenschaft der Lastwagenblasen. Aber das war damals vor 15 Jahren noch nicht möglich. Dann merkte man, dass bei Kleidern nicht ganz so robust und nicht so wasserfest sein muss, wenn man nicht gerade Outdoor-Jacken macht. Und so haben wir uns gedacht, dann probieren wir doch mal aus mit in Europa gewachsenen Fasern, also Hanf, Leinen, Modal, das ist aus Buchenholz, eine Art Kleiderkollektion zu entwickeln, die auch in Europa produziert ist. Also alles in einem sehr nahen Umkreis. Und dort sind wir sicher ein bisschen, wie soll ich sagen, der Zeit voraus gewesen, haben zum Teil auch jahrelang an dieser Lieferkette gearbeitet. Die Industrie war nicht mehr so existent in Europa. Vielleicht ist sie jetzt schon wieder ein wenig mehr zurück als damals. Das war sicher ein Learning. Wir haben einen Jeansstoff, der nicht aus Baumwolle sein sollte. Baumwolle braucht zu viel Wasser, wenn sie angepflanzt wird. Es ist egal, wie organisch man sie anpflanzt, nicht unbedingt super nachhaltig. Und einen Jeansstoff aus Hamf und Leinen entwickeln mit einer Weberei in Deutschland. Da haben wir einen gefunden, der dachte, das probieren wir aus. Wir haben zwei Jahre lang daran gearbeitet, und dann sind die aber in Insolvenz gegangen. Wir konnten neu anfangen, dann haben wir in Italien einen Partner gefunden. Aber das sind die langen Wege und Partner, die es braucht. Und jemand kriegt sie, jemand nicht. Dort haben wir schon ein sehr strenges Dogma aufgelegt. Wir wollten es lokal machen, aus Fasern und so weiter. Vielleicht hätte man den Radius etwas aufmachen müssen und gesagt, wir machen es mit denen, die es können, die wir irgendwo noch finden. Wir hoffen, dass wir die Produktion mit der Zeit vielleicht auch wieder zurück nach Europa bringen. Wir wollten nur damit rausgehen, wenn es 100% so ist. Da ist es mehr eine persönliche Meinung. Bei neuen Projekten muss mal schauen, dass man überhaupt mal irgendwie ins Machen kommt und vielleicht auf den Markt kommt und vielleicht auch das Gewicht bekommt und dann anfangen noch zu dem 100% schwenken.

Sandro Meyer [01:00:15]:
Das hast du beschrieben. Ihr könnt jetzt andere Dinge umsetzen, als ihr vor ein paar Jahren oder vor zehn, 20 Jahren neue Materialien umsetzen konntet. Neben dem, dass du noch ein Produkt und eine Firma aufnehmen musst, ist noch schwierig. Du hast Ich will noch sagen, dass ihr nicht wirklich das Business-Denken per se habt. Also das steht nicht im Vordergrund. Und Du hast auch mal gesagt, dass du zuerst auf deine eigenen Bedürfnisse schaust. Mhm. Beziehungsweise, ich habe ja Buchhaltung. Ich habe mein Einfamilienprogramm gemacht und so. Wie äussert sich das tagtäglich? Also, weisst du, wie muss ich mir Markus vorstellen? Wir kommen nachher noch zu deiner neuen Firma Flink, du hast jetzt wieder neu angefangen, bist du meistens am Tüfteln und hoffst, dass es für dich und auch für andere etwas ist. Oder weisst du, wie Ich muss ja trotzdem Geld in den Kaffee, sonst kann ich kein Business aufbauen. Wie hat sich die

Markus Freitag [01:01:43]:
Ich glaube, es braucht beides. Meine persönliche Motivation ist, wenn ich meine Probleme oder die, die in meinem Radius liegen, lösen kann. In der Hoffnung, dass es vielen anderen auch noch so geht. Das ist vielleicht etwas, das sich unterscheidet. Wenn jemand ein Business machen will, schaut, wo die grösste Chance ist und sich dann in diese Zielgruppe hineindenkt. Genau, da schaust

Sandro Meyer [01:02:12]:
du dir den Markt an und sagst, da ist eine Lücke im Markt oder eine Differenzierung.

Markus Freitag [01:02:16]:
Ja, und dort funktioniert es, glaube ich, schon nicht so. Oder ich bin davon überzeugt, dass es wahrscheinlich noch ein paar Leute gibt, die ähnlich unterwegs sind. Aber ja, es ist noch ein guter Punkt. Man ist in seiner Bubble, oder? Und klar für diese Bubble arbeiten und dort Erfolg haben, das ist das eine, aber vielleicht ist diese Bubble nicht gross genug. Und wie kommst du dann an die anderen 60%? Das ist nicht meine Theorie, aber 20% sind schon überzeugt. 20% finden, ich will damit gar nichts am Hut haben. Es gäbe noch 60%, die könnte man eigentlich erreichen. Und spreche ich denen ihre Sprache? Das ist sicherlich das Problem von dem Weg, den wir gerade beschrieben haben, den ich am liebsten habe. Aber ich glaube, es ist natürlich auch das stetige Weiterentwickeln. Also jetzt bin ich mit der S-Bahn und dem Velo hierher gekommen. Also Das zu kombinieren, das mache ich eigentlich jeden Tag. Ich möchte das Fahrrad immer dabei haben, weil ich steige mal hier aus und am Abend dort ein. Dann möchte ich auch nicht das Fahrrad hier abstellen und am nächsten Morgen ist es am falschen Bahnhof. Also muss das Fahrrad genug klein sein, dass ich es immer dabei habe. Und dann habe ich ja eigentlich auch noch irgendwie Gepäck dabei und nicht nur mich selber, den ich bewegen will. Da kann ich am besten ein Briefing für eine Lösung davon ableiten, wenn ich die Probleme jeden Tag selber erlebe und auch wieder diese Lösung testen kann. Ist das jetzt besser? Funktioniert es jetzt? Ich glaube, es ist sicher ein Luxus, den ich mir da auch leisten kann, so zu arbeiten. Der Kompromiss, den man macht, ist wahrscheinlich, ob Freitag oder andere Projekte erfolgreicher oder grösser oder kommerziell interessanter sein könnten. Aber ich glaube, das interessiert mich zu wenig. Ich hätte schon gerne kommerziellen Erfolg, wieder mehr in neue Lösungen zu investieren. Aber ich habe keine Autosammlung, weil ich keinen Führerski habe. Darum habe ich Freude an kleinen Velos, die auch in die S-Bahn in den ÖV passen. Ich glaube, dort habe ich immer noch den gleichen Antrieb wie seit und je. Das habe ich auch schon gehört, dass man denken könnte, die hatten Erfolg und was machen sie mit ihrem vielen Geld? Dass Leute schon sagen, dass man eigentlich noch der gleiche ist. Das ist eigentlich noch schön zu hören.

Sandro Meyer [01:04:51]:
Ohne dass du das jetzt mega bewusst gemacht hast, sondern es ist einfach...

Markus Freitag [01:04:54]:
Ja, anscheinend ist es so. Oder ich bin so, ich glaube.

Sandro Meyer [01:04:58]:
Du hast ja mal gesagt... ...Das ist nochmal ein Quote von dir... Probleme zu lösen, das ist mein Urantrieb. Ich sehe in Herausforderungen etwas Lustvolles. Aus ihnen schöpfe ich Ideen. Du kannst das ein bisschen näher beschreiben. Du bist immer wieder neu antrieben. Wir können ja langsam ins Velothema kommen. Du sprichst

Markus Freitag [01:05:26]:
jetzt auch

Sandro Meyer [01:05:26]:
ein bisschen näher dran. Kannst du vielleicht gerade mal anhand deines Urantriebes beschrieben.

Markus Freitag [01:05:38]:
Flink ist entstanden, weil ich das Velo, das ich mir für meinen Alltag gewünscht hätte, schon die letzten 30 Jahre nicht hatte. Ich habe ein paar Fahrräder, ein Klapp-Fahrrad, das ist gut, mit dem ÖV zu kombinieren, aber dann kommst du an die Grenzen, wenn du Sachen transportieren willst. Darum fand ich, dass es diese Situation gibt. Du hast verschiedene Lebensabschnitte. Mal hast du einen Migros-Sack, mal zwei, die du nach Hause bringen willst. Dann hast du ein Kind, dann wieder kein Einkaufstüten. Welches Velo kann dich in deinem Alltag das ganze Jahr, bei jedem Wetter, Tag und Nacht, begleiten. Und so ist das Briefing für Flink entstanden. Dass jetzt gerade ein eigenes Velo entwickelt werden musste. Mich hat vor allem auch mal das Gepäcksystem zu verbessern interessiert. Aber, etwa diese gewissen Sachen passieren dann einfach ein bisschen so. Ja, Es war eigentlich auch die Idee, das Melo neu zu erfinden bei Flink. Es ist ein klassischer Diamantrahmen, wie es ihn seit ca. 140 Jahren schon gibt. Ein bisschen kleinere Räder, dadurch hat es mehr Platz über dem Rad zum Lenker, wo Gepäck herkommt. Gepäck vorne, da kann ich eigentlich jeden Moment etwas reinwerfen, komme ein bisschen warm, überziehe die Jacke aus, schmeisse es nach vorne, schaue schnell aufs Telefon oder möchte ein bisschen vom Apfel nehmen. Also das ist so der Kofferraum vorne, wie eine Wühlkiste an einem kompakten Velo, welcher aber doch mit einem Keilriemen, einem sehr wartigen Arm mit 11 Gängen, eigentlich auch bergauf funktioniert, ein schönes Fahrgefühl hat, aber flink ist, weil eben relativ klein. Ja, dann landet man halt bei einer Produktentwicklung. Und das ist jetzt bei Flink, das hat ein paar Jahre gebraucht, hätte ich nicht gedacht. Also, nicht, weil es das Velo neu erfinden und dann noch braucht es seine Zeit. Und ja, zu meinem Antrieb zurück, das war glaube ich auch deine Frage. Ich finde das jetzt nicht schlecht. Und ich finde auch die Gepäcklösung, die wir haben, das sind so versteckte Pins und Gummilubs, die du eigentlich entweder in der Box ganz einfach fixieren kannst, kannst die aber genauso schnell wegnehmen und kannst irgendwas, ich sage jetzt mal etwas, eine Wassermelone vorne aufs Rack spannen. Das hat keine Haken an diesen Riemen. Also da haben wir, glaube ich, ein gutes System entwickelt und jetzt sind wir mit dem unterwegs. Aber natürlich, bis du am ersten Tag unterwegs bist, hast du schon wieder die nächste Idee, was man vielleicht auch noch ausprobieren oder besser machen könnte. Aber ob es dann wirklich besser ist, das weisst du erst, wenn du es ausprobiert hast. Und da bin ich sicher jemand, der endlos ausprobieren könnte. Das mache ich schon sehr gerne. Und Es ist aber auch sehr anstrengend, je nach Umfeld. Wenn ich am nächsten Morgen wiederkomme und finde, dass es nicht schlecht ist, was wir hier haben, aber man will und kann doch noch Da muss ich mich zum Teil auch erklären oder in eine Struktur bringen, damit man weiss, dass man das Velo schon mal lancieren muss und dass es bekannt wird. Weiterentwickeln,

Sandro Meyer [01:09:01]:
wenn man

Markus Freitag [01:09:01]:
es sich leisten könnte, sicher auch noch. Das Velo hat es nicht, das finde ich gut, das würde ich heute noch genau so lassen. Gepäcksystem eigentlich auch, aber jetzt gibt es noch ein Haufen Produkte, die auch noch zu dem... Also das ist vielleicht auch noch die Hauptmotivation hinter dem Velo-Projekt. Ich glaube, viele denken irgendwie, ich mache ein Velo-Schloss, einen Velo-Helm, ein Velo, irgendeine Tasche. Aber dass sie so aufeinander abstimmen, das ist die Realität nachher. Du hast dann den ganzen Karsumpel und ein Velo ohne Schloss oder Helm oder was auch immer bringt dir nicht so viel, wenn das jedes Mal liegt. Da sehe ich ein Haufen Potenzial. Ich möchte die Industrie hoffentlich noch etwas inspirieren oder motivieren, noch mehr zu kooperieren. Also, dass vielleicht eben nicht jeder nur in seiner Produktkategorie denkt, sondern ganzheitlich. Das ist, glaube ich, auch so ein bisschen eines der Designprinzipien, die ich eigentlich schon spannend finde. Oder etwas, das die Designerinnen und Designer als Hauptaufgabe hätten. Eben ganzheitlich zu denken. Oder vielleicht auch ein Briefing zu hinterfragen. Also wenn jemand kommt und sagt, ich mache Veloschlösser, könnte man das noch ein bisschen besser machen?» Und ich denke nur an Veloschloss und wie sicher könnte es sein. Aber nicht, wie ich es dann am Velo oder wo auch immer kann, immer mit transportieren, wenn es nicht abgeschlossen ist. Also das ist schon die Kunst. Die Schnittstellen zwischen den Produkten oder auch Services. Und das ist gegebenerweise die Zeit, in der hoffentlich noch mehr kommt, dass nicht jeder in seinem Gärtchen versucht, weiterzukücheln, sondern dass sich die richtigen Unternehmen oder Organisationen zusammenfinden und miteinander an Lösungen arbeiten. Das ist vielleicht auch ein Wunsch für Flink. Dass man sagt, dass man ein paar Bausteine hat, die es so vorher vielleicht noch nicht gab, aber man hat auch noch nicht alles gelöst. Und dort wirklich in Kontakt zu kommen mit anderen Gleichgesinnten, damit du als Anwender etwas bekommst, das ganzheitlich durchgedacht

Sandro Meyer [01:11:19]:
ist. Wenn ich das richtig verstehe, geht es nicht unbedingt darum, dass ihr einfach proprietäre Plattformen entwickelt, die man nachher nur bei euch benötigen kann, sondern eigentlich eine gewisse Kompatibilitätsstandards. Habt ihr das richtig verstanden?

Markus Freitag [01:11:42]:
Genau, im Moment ist es so ein geschlossenes, aber nicht abgeschlossenes System. Es funktioniert, du hast eben ein Velo, du hast die Boxen, du hast den Adapter, du hast die Loops und Pins, du kommst mit dem eigentlich recht gut durch deinen Alltag durch. Wenn ich jetzt so wie an Weiterentwicklungen denke, dann Ist es in unserem Fall schon mal so, dass es gut ist, weil du eigentlich jede Box oder jede Tasche oder was auch immer auf das Rack kannst. Du hast nicht das geschlossene System, wo du dann das ganze System haben musst, damit es miteinander funktioniert. Ich glaube, das ist auch etwas, was ich sympathischer finde, dass ich nicht gezwungen werde.

Sandro Meyer [01:12:18]:
Das ist ja wieder das Business-Denken. Das ist ja spannend. Das Business-Denken ist ja, ich muss möglichst den Lock-In-Effekt haben, dass wenn du mein Velo gekauft hast, dass ich dann alle anderen Sachen auch muss.

Markus Freitag [01:12:31]:
Auch muss von uns, ja.

Sandro Meyer [01:12:32]:
Auch muss haben. Und der Design-Gedanke ist ja dann eigentlich offener. Ja. Es ist eigentlich, okay, es hat eine andere Ansprache. Ja, ja.

Markus Freitag [01:12:40]:
Ich glaube, so auf die lange Sicht, hoffe ich, ist das der nachhaltige Weg, wenn man sich dort öffnet oder eben den UserInnen eigentlich einfach macht, alles miteinander zu kombinieren. Weil so genau weisst du nie, was den nächsten Tag bringt oder was du brauchst. Oder in welchem Lebensabschnitt du gerade bist.

Sandro Meyer [01:12:57]:
Ist das... Ich glaube, ich konnte dich mal gehört sagen, dass, jetzt weiss ich das deutsche Wort nicht, Legacy, was ähm...

Markus Freitag [01:13:09]:
Ähm... Was ist es? Hinterlassenschaft oder...

Sandro Meyer [01:13:13]:
Es gibt ja irgendwas, ja genau, also das was du eigentlich so ein bisschen möchtest hinterlassen mit deinen Projekten. Ich glaube, du hast mal über Freitag gesagt, dass du hoffentlich auch andere Brands inspirieren kannst, dass halt gewisse von diesen Design-Prinzipien bzw. Wert auch von anderen Brands aufgenommen werden können. Verstanden werden vielleicht zuerst mal und dann aufgenommen werden. Und das klingt ja jetzt hier auch wieder ein bisschen so. Das ist auch noch ein bisschen der Anspruch.

Markus Freitag [01:13:53]:
Ja. Wir könnten noch einen Bogen zu dem Manifest machen. Ich glaube, das ist etwas vom Schönsten, wenn du andere inspirierst oder deine Umwelt auch gute oder noch bessere Ideen. Darüber kann ich mich freuen. Klar, wenn es sich wirklich auf einen Beitrag von mir referenziert. Umso schöner. Sicher, ein bisschen Ego hat man ja. Aber das finde ich nachhaltig. Darum haben wir ja auch bei Freitag, das war 2015, eine Ausstellung, also Wir haben eine Einladung bekommen für eine Ausstellung in Lausanne im Designmuseum. Garde Blanche, ihr könnt machen was ihr wollt. Dann sind wir am Tisch gesessen und haben gesagt, einfach unser Arbeiten ausstellen, das kann es ja nicht sein.

Sandro Meyer [01:14:46]:
Das hättet ihr auch

Markus Freitag [01:14:47]:
in Produkt machen können. Ja, wir hätten machen können, was wir wollten. Dann haben wir irgendwann noch andere mit am Tisch. Das waren die Tricklin-Brüder, Frank und Patrick Tricklin. Das hat es dann nicht einfacher gemacht. Also dann haben sich vier Brüder im Kreis gedreht. Und die Kuratorin ist, glaube ich, langsam nervös geworden und hat dann schon mal irgendwann gesagt, also... Gell, einfach einen leeren Raum zeigen, Das haben andere auch schon gemacht. Nicht, dass sie das cool finden. Wir hatten die Idee, wir könnten doch unsere Einstellung ausstellen. Also wir machen eine Ausstellung über unsere Einstellung. Und dabei ist eben das Manifest entstanden mit diesen... Denk und Handel, Kreisläufe ist ein Punkt.

Sandro Meyer [01:15:30]:
Ich versuche das auch noch von links

Markus Freitag [01:15:31]:
an das Tier auszuhören. Modularität, Reparierbarkeit, Entschleunigung und so weiter. Also es sind etwa acht, neun Punkte. Der neunte wäre dein eigener Punkt, den du gerne noch anfügen kannst. Und dass wir so Gedanken natürlich teilen oder hoffen, dass das andere inspiriert und das auch thematisieren, ausstellen, das ist sicher ein Beweis, dass wir das nicht für uns behalten wollen und nur in unserer Küche nach dem Rezept kochen, sondern dass wir das Gefühl haben, Das sind Erkenntnisse, die man gerne teilt und sich für das Grössere freut, wenn sich das verbreitet.

Sandro Meyer [01:16:10]:
Einen Punkt von diesem Manifesto habe ich mir noch aufgeschrieben, Wir hatten auch letztens Oliver Reichenstein, der auch Designer ist, zwar eher auf der Interaction Design Seite, Apps und so. Und er hat seine Firma eigentlich auch so aufgebaut, dass sie eigentlich fast keine Goals

Markus Freitag [01:16:34]:
haben.

Sandro Meyer [01:16:34]:
Es ist sehr designtrieben und sehr auf Details fokussiert. Ich fand das wieder, dass der eine Einsatz in dem Manifesto heisst, wir verzichten auf Geschwindigkeit, Zeit zu gewinnen.» Kannst du das rasch erklären? Es ist ja immer so, viele sind ungeduldig. Man möchte den nächsten Prototypen und das raus. Oder auch die Projekte, die du vorher beschrieben hast, die haben den Anspruch für die perfekte Circular Economy, aber dann braucht das Zeit. Also wie Was ist bei dir der Spannungsbogen zwischen der Geschwindigkeit und...

Markus Freitag [01:17:21]:
Also es ist sicher auch ein Wunsch, eine schnelllebige Zeit. Ist es das jetzt wirklich? Soll es noch schneller werden? Oder wo ist Entschleunigung dann vielleicht fast mehr, auch Lebensqualität. Und ich glaube, auch beim Arbeiten, es hat beides. Wenn man natürlich sagt, man ist nicht in Saisons am Arbeiten, z.B., Man muss jede Saison ein neues Produkt haben. Alles, was man vorher gemacht hat, gehört in den Ausverkauf. Diese Philosophie haben wir in keinem Projekt. Im Gegenteil, es ist eher ein stetiges Verbessern. Das hat sicher auch mit einer Entschleunigung zu tun, dass man mal sagt, ja, man lädt mal eine Saison aus oder ein Jahr vorbei oder man gibt sich noch mal mehr Zeit, noch etwas zu verbessern, weil das man einfach nochmal, einfach, hauptsächlich, es ist neu. Ich glaube, das kommt ein bisschen dorthin. Ja, dass man eigentlich schon, wenn man sich Zeit gibt, auch an Qualität gewinnen kann. Nicht immer. Ich bin auch ein Befürworter von Eigentlich Oder Ich selber brauche Deadlines. Ich weiss, morgen muss das einfach sein. Dann geht schon noch mal ein Prozess los, der nicht losgehen würde, wenn ich weiss, ich kann morgen sagen, es wird übermorgen oder vielleicht doch nach der Weihnachtsferie. Ich glaube, da kann ich nur von mir selber und vielleicht auch ein bisschen von anderen Kreativen, von denen ich sprechen kann, ich glaube, dann sind die Deadlines schon auch gut. Oder eben auch, ich sage, das ist jetzt das Budget oder die Zeit, das steht zur Verfügung, und dafür möchten wir jetzt eine Lösung finden. Das braucht es schon auch. Nur alles entschleunigen und endlos suchen, dann können wir auch nicht das Ziel erreichen.

Sandro Meyer [01:19:14]:
Oliver hat es mal so gesagt, dass die Antidote gegenüber dem Problem, wenn man sehr qualitätsfokussiert ist, zum einen die Constraints, wie du gerade gesagt hast, oder einfach so, Nein, das ist so die Box hier drin. Aber er hat auch vor allem gesagt, möglichst schnell raus. Ja. Und einfach mal so, und jetzt, wie findet ihr das? Und das ist ja auch so das Prototyping-Mindset, das du so ein bisschen beschrieben hast. Ja. Du musst ja auch, kannst ja nicht nur in der Werkstatt bleiben, du musst aus der Werkstatt raus und dann dort etwas...

Markus Freitag [01:19:51]:
Das ist das Schwierigste an der Selbstständigkeit zu arbeiten. Wenn du nicht gerade total am Existenzminimum bist und weisst, ich kann einfach nur noch heute und sonst ist fertig, dass man wirklich rausgeht. Wenn man jemand ist, der stetig verbessern will, dann braucht es wahrscheinlich auch einfach noch andere Menschen mit am Tisch, die sagen, du bist jetzt gut. Und die gibt es schon auch in meinem Leben oder die lasse ich auch zu. Grundsätzlich suche ich sie auch. Es ist vielleicht nicht ganz einfach, mich aus meinen Mustern herauszuholen, aber ich bin schon froh meine Umgebung.

Sandro Meyer [01:20:27]:
Etwas, das ich spannend fand, und das ist Ich weiss nicht, ob das auch so im Manifesto steht, aber ich hatte dich in einem Vorgespräch gefragt, worauf du am meisten stolz bist. Du hast gesagt, dass deine beiden Töchter auch jetzt einen Freitag täglich die Fäsche tragen. Ist das jetzt relativ lange gegangen, bis Sie gefunden haben, ja, okay, ich zeige mich jetzt auch mit dem. Ich glaube, es ist auch ein bisschen darum gegangen, die Langlebigkeit von Produkt und Design. Aber kannst du diese Aussage vielleicht ausführen? Wieso bist du stolz auf das?

Markus Freitag [01:21:14]:
Insofern gehört sie einer anderen oder übernächsten Generation an im Vergleich zu mir. Dass das Produkt überlebt hat. Es hätte ja sein können, dass es mal fertig ist. Man findet, es ist eine coole Idee aus den 90er Jahren, aber es hat keine Relevanz oder Gültigkeit mehr. Oder der Stil passt nicht mehr. Das ist sicher eine Zeiterscheinung, also das Glas gibt immer wieder Revival. Tja, Jetzt nochmal der Schwenker zu meiner Töchter oder meiner Partnerin, die auch nicht immer einen Freitagtaschen trägt oder trägt hat. Ja, die Kollektion ist nicht allzu klein. Also im Prinzip die Chance, dass eigentlich jeder etwas bei uns finden würde, wäre eigentlich gegeben. Ich glaube, da muss man das Material wirklich mögen. Also, wenn wir bei den Blachentaschen sind, sonst ist die Auswahl nicht so gross. Oder nur noch. Wird die länger, die grösser bei Freitag? Wir haben auch Taschen aus alten PET-Bottles, die dann weniger blachig sind. Ich glaube, das ist schon das Erste, was ich gesagt habe. Dass sie auf einmal bei Schulkolleginnen und Kollegen Freitag entdeckt haben. Klar kennen sie Freitag und haben auch die ein oder anderen Taschen

Sandro Meyer [01:22:35]:
im Schrank.

Markus Freitag [01:22:36]:
Schönen Nachnamen auch. Sie haben auch immer wieder schon auch Taschen getragen, aber nicht einfach lückenlos. Das hat sie eigentlich fast inspiriert durch eine Art Zeiterscheinung. Das ist einfach bei einer ganz... Die Jüngere ist 16 und man merkt, 16-Jährige im Jahr 2025 tragen wieder oder immer noch durch eine Art Zeiterscheinung. Die Jüngere ist 16 Jahre alt, und man merkt, dass 16-Jährige im Jahr 2025 wieder oder immer noch Freitag mit Wert, Idee dahinter identifizieren können. Das hat mich schon stolz gemacht oder gefreut, dass es dann sogar in den Familien auch wieder Freitag gedreht wird. Sie sehen aber genauso natürlich auch noch, was fehlt bei Freitag. Das müsste doch

Sandro Meyer [01:23:16]:
so sein.

Markus Freitag [01:23:18]:
Sie wären natürlich auch eingeladen, Verbesserungsvorschläge zu machen, Aber sie sind mit sich und ihren eigenen Projekten auch gut beschäftigt. Dann bleibt es meistens bei einer Aussage oder einem schlauen Ratschlag. Ich kann dann schon sagen, ich nehme es mal mit, ich kann es dann auch mal weitergeben. Aber es ist ja auch so, dass ich jetzt bei Freitag eigentlich schon seit länger nicht im Tagesgeschäft da irgendwie sage, was gemacht werden soll, sondern im Gegenteil eigentlich, ja, andere Leute auch ganz gute Ideen haben.

Sandro Meyer [01:23:47]:
Etwas, was mich noch interessiert, persönlich, ist so, wie bist du, sehr konkret, wie bist du organisiert? Also weisst du, hast du irgendwie Ein Notebook, in dem du deine Ideen reinschreibst. Überlegst du dir jeden Morgen, was du heute machst, oder gehst du einfach intakt rein? Wie bist du organisiert? Wie denkst du über die Produktivität von dir selbst nach? Und ja.

Markus Freitag [01:24:21]:
Ich bin schon ein bisschen mit meinen Gedanken... Wie soll ich sagen? In einem ersten Moment ist man mit den Gedanken allein. Die versuche ich eher schriftlich festzuhalten. Dort wäre ich wahrscheinlich gerne noch so organisiert, dass ich das eher skizzenhaft machen könnte. Also dort bin ich jetzt nicht der, der so gut und schnell eine Skizze macht, die gerade schon so sehr aussagekräftig ist. Das ist eigentlich eher etwas, was mir gerade noch fehlt. Dann ist es schon so, dass ich eigentlich immer froh bin, wenn ich zu einem Projekt oder Vorhaben ein Vis-à-vis habe, das mindestens einmal zuhört oder Feedback gibt und man es dann noch einmal festhält, meistens auch noch in Wort. Vielfach finde ich es schön, wenn schon jemand am Tisch sitzt, der das Skizzieren wirklich beherrscht. Das finde ich eigentlich cool, wenn ich jemandem etwas beschreibe, was ich mir vorstellen könnte, und es gegenüberbringe aufs Papier und ich kann sagen, ja, genau so habe ich es gemeint. Also dann ist das wie so die Bestätigung, ah, die Idee ist mindestens mal in einem anderen Kopf an und hat schon eine erste Form. Sonst sind es dann schon vor allem Meetings zu Themen. Mein Tag besteht eigentlich schon vor allem aus Begegnungen und Gesprächen. Briefings, also auch schriftlich meistens, werden über zum fast mehrere Wochen, Monate oder Jahre geschrieben. Ich habe schon viele Notizblätter, in denen ich meine Gedanken festhebe. Es ist zum Teil absurd. Nach ein paar Monaten oder einem Jahr schreibst du das Gleiche auf. Nach einem Jahr merkst du, dass du es einfach machen musst. Es ist anscheinend immer noch etwas, das mich beschäftigt.

Sandro Meyer [01:26:24]:
Ähm Ja,

Markus Freitag [01:26:25]:
es ist ein bisschen schade, dass der Tag so kurz ist.

Sandro Meyer [01:26:28]:
Also, hängst du an Ideen? Oder sind sie für dich schon

Markus Freitag [01:26:32]:
Ja. Ich glaube, Sachen, die ich noch nicht ausprobieren konnte, kann ich schwer loslassen. Ja. Also, wenn man von Footprints spricht und unsere Footprints zu gross sind, stelle ich mir einen ganz kleinen Wohnraum vor, der mir hilft, dass ich gar nicht kann, Sachen anzuschaffen, anzuhäufen, die ich nicht wirklich für meinen Alltag brauche. Also den Selbstversuch, mit viel weniger zu leben. Einige haben das gemacht, das habe ich interessiert beobachtet. Aber ich möchte es selber auch noch ausprobieren, mit meinen Sachen in dem kleinsten Raum, den ich finde. Ja, das wäre etwa der kleinste Raum. Und das ist einfach jetzt auf der Projektliste so irgendwie auf Platz sieben und ich arbeite im besten Fall an den Projekten 1 bis 5. Und hin und wieder gibt es einen Tag oder auch zwei, wo ich dazukomme. Und das, ja, irgendwie suche ich schon noch ein bisschen nach dem Rezept. So Ganz ohne mich geht es auch nicht. Die Ideen sind so schlau, dass ich einfach sage, so mach mal, ich könnte es mir leisten. Ich glaube, irgendwie brauche ich mich dann trotzdem bei gewissen meiner Ideen noch im Mitentwicklungsprozess. Und dort finde ich es schwierig,

Sandro Meyer [01:27:57]:
zu fokussieren.

Markus Freitag [01:27:58]:
Dann ist in dem

Sandro Meyer [01:27:58]:
Fall auch eine der Hauptaufgaben heutzutage, eigentlich deine Ideen aus dem Kopf auf Blatt Papier zu probieren und dann von Blatt Papier das zu erklären und in ein anderes Gehirn zu pflanzen, sodass die das ähnlich verstehen. Dann entsteht die Kollaboration natürlich auch.

Markus Freitag [01:28:17]:
Ja. Ich glaube auch. Aber

Sandro Meyer [01:28:20]:
Du bist nicht derjenige, der den ganzen Tag designt?

Markus Freitag [01:28:24]:
Nein, gar nicht. Ich bin da Entweder fehlt mir ein paar Skills oder ich bin etwas zu faul. Ich denke, bevor ich mir das jetzt beibringe und dann hier in meinem Kämmerchen auch noch anfange, schöne Skizzen zu machen, ist es gleich besser, ich überlege mir, wer kenne ich denn, der das kann und versuche, so jemanden zu finden oder zu begeistern. Das ist eher die Art, wie ich vorangehe. Ich suche lieber die Begegnung als Die Einsamkeit mit meinen Gedanken und dem Blatt Papier.

Sandro Meyer [01:29:06]:
Eine Frage noch. Du kannst dir auch noch ein bisschen Zeit zum Überlegen, falls dir nichts einfällt. Wenn du eine Nachricht in jede Freitagtasche hineintust, die ihr verkauft. Was würde darauf stehen?

Markus Freitag [01:29:28]:
Super, dass du diese Idee bringst, weil ich die schon oft hatte. Man hat sie noch nicht umgesetzt. Und ich finde auch, es ist verschenktes Potential, dass wir da nicht Botschaften mit auf den Weg geben. Ich glaube, das ist auch das Bubble-Problem, dass man so weiss, wir wissen doch alles, was uns wichtig ist, und dabei vergisst man es dann noch auszusprechen. Welche Nachricht? Ich glaube am tollsten fände ich eigentlich schon, wenn alle, die sich schon mal dafür begeistert haben, eine Tasche von Freitag sich anzuschaffen, wenn wir die ansprechen könnten. Das klingt jetzt ein bisschen banal, oder? Abonniere unseren Newsletter oder registriere dich mit deinem Produkt. Irgendwie... Ich glaube, ich müsste mir sicher auch noch ein bisschen mehr damit machen dann. Also, weil das wäre eine tolle Community und die wäre riesig. Und im Moment haben wir das, dadurch dass wir es eben nicht gemacht haben. Also klar, sagen wir das hier und dort und man kann das machen, aber... Ich glaube, wir müssen noch einen guten Grund haben, warum wir mit uns das Leben lang nachhaltig im Austausch bleiben sollten. Dass man vielleicht nicht Angst haben muss, dass wir nur die nächste Tasche noch verkaufen wollen, sondern wirklich, was können wir noch versprechen. Das suche ich noch ein bisschen. Ich finde, es wäre eine Community von Gleichgesinnten. Vielleicht müssen wir davon wegkommen, dass wir ihnen etwas liefern müssen. Vielleicht reicht es, dass wir sie miteinander verbinden oder zusammenbringen. Das machen wir hier und dort schon auch. Aber ich glaube, vielleicht wäre es die Einladung an die Konferenz. Für was auch immer. Was an dieser Konferenz verhandelt werden würde, müsste man noch überlegen. Aber ich glaube, dass es am Schluss die Menschen zusammenbringt. Das wäre die Botschaft.

Sandro Meyer [01:31:38]:
Wenn du es verspürst, was verbindet die Leute, die einen Freitagtaschen kaufen? Was ist der Leim?

Markus Freitag [01:31:52]:
Ich hoffe, dass es bei einem grossen Teil wirklich einfach die Identifikation ist mit einer Haltung, die hinter dem Produkt steckt. Also Es gibt genug Taschen, es gibt viele andere Taschen, viele sind auch robust oder heben lange oder schön etc. Und ich glaube, man findet bei unserem Produkt wirklich eine Wertehaltung. Also eben, dass man es ja so minutiös macht. Also, man hätte es davon abkommen können, einfacher, günstiger, anders zu produzieren. Stonewash, also im Nachhinein, die Plage alt machen etc. Das wäre wahrscheinlich alles einfacher und rationeller. Aber wir sind ja wie das Boot auf gewisse Überlegungen und Werte auf Und denen sind wir treu geblieben. Ich glaube, damit identifizieren sich hoffentlich schon den grössten Teil der Kunden. Insofern kann es ein Symbol für eine Haltung sein. Ich glaube, Leute sprechen sich... Ich weiss nicht, wie viel das passiert, aber es kam mir schon zu Ohren, dass man sich an der Kasse im Supermarkt in der Reihe steht. Man denkt sich, man hat lustigerweise vom gleichen Lastwagen-Taschen wie man, und Sie kommen ins Gespräch und schreiben uns, dass wir schon drei Kinder haben. Wir wollten einfach noch sagen, dass wir uns damals wegen dieser Begegnung über diese Taschen kennengelernt haben. Das finde ich schon... Ich weiss nicht, bei vielen anderen Produkten ist das auch passiert.

Sandro Meyer [01:33:23]:
Ja, es ist lustig, es ist mir auch zweimal passiert, als ich in New York gewohnt habe. Und ich hatte diese New York-Tasche und der Laden hat sie eben dort noch gegeben, das war in der 11 oder so. Ja, ja. Und ich wurde auch einfach angesprochen. Ich werde zwischendurch nicht oft angesprochen, wegen was ich dabei habe. Und eben, irgendetwas ist da. Ich habe das jetzt auch so ein bisschen aus deinen Antworten ausgehört. Irgendetwas ist da.

Markus Freitag [01:33:47]:
Vielleicht wäre das die Botschaft, die ich in die Tasche tue, dass sie miteinander reden. Also, sie sprechen auch, egal, vielleicht sagt man dann höflich wieder Tschau, aber vielleicht passiert auch etwas. Das wäre schön. Aber ich glaube, das wäre so...

Sandro Meyer [01:33:59]:
Danke vielmals, Markus, für dieses spannende Gespräch. Und Ich freue mich auf alles Weitere, was du noch herausbringst und daran tüftelst. Gibt es noch irgendwelche Abschlussworte von deiner Seite her?

Markus Freitag [01:34:18]:
Nein, ich glaube, ich bedanke mich für die Einladung. Ich habe es spannend gefunden. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir jetzt gesprochen haben. Schauen wir nachher mal auf die Uhr. Das schauen wir nachher mal.

Sandro Meyer [01:34:25]:
Ich weiss es selber noch nicht.

Markus Freitag [01:34:26]:
Das ist gut.

Sandro Meyer [01:34:28]:
Und ja, danke vielmals. Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017